Das derzeitige Finanz-System wird völlig zerstört werden

“Das derzeitige Finanz-System wird völlig zerstört werden”

DAS MATTERHORN INTERVIEW – Februar 2012

John Embry, der Chef-Investmentstratege bei Sprott Asset Management, spricht in diesem exklusiven Interview über die Motive und Mittel bestimmter Interessen, einen freien Goldmarkt zu verhindern; benennt den Grund, warum der Goldpreis hoch bleiben wird; zeigt die Möglichkeiten beim Silber auf; und erklärt: “Gold ist die am weitesten von einer Blase entfernte Sache, die ich mir vorstellen kann.”

 

Von Lars Schall

 

Er ist ein Edelmetall-Branchenexperte, dessen  Erfahrung als Portfolio-Management-Spezialist sich über mehr als 45 Jahre erstreckt: John Embry, der Chef-Investmentstratege bei Sprott Asset Management. Er begann seine Karriere als Aktien-Auswahlanalyst und Portfolio-Manager bei Great West Life und wurde Vizepräsident der Pensions-Investments für die gesamte Firma. Nach 23 Jahren bei Great West Life wurde er Partner bei United Bond and Share (1987 von Royal Bank aufgekauft). Danach wurde er zum Vize-Präsidenten, Aktien- und Portfolio-Manager bei RBC Global Investment Management, eine $ 33 Milliarden-Organisation, wo er für 5 Milliarden Dollar an Vermögenswerten verantwortlich war, einschließlich des Royal Canadian Equity Fund und des Royal Precious Metals Fund. Im März 2003 trat Herr Embry Sprott Asset Management bei. Dort liegt sein Fokus auf den Sprott Gold and Precious Minerals Fund und den Sprott Strategic Offshore Gold Fund Ltd. Er spielt eine wichtige Rolle in der Unternehmens- und Investitionspolitik des Unternehmens.

Herr Embry, die vielleicht beste Report, den ich je zum Goldmarkt gelesen habe, war “Not Free, Not Fair: The Long-Term Manipulation of the Gold Price“, der von Andrew Hepburn und Ihnen geschrieben wurde. (1) Ich möchte mit Ihnen zu Beginn über die Ergebnisse dieses Berichts sprechen. Zunächst einmal, warum denken Sie, ist es relevant, ob der Goldpreis frei ist oder nicht?
John Embry: Danke für das sehr großzügige Kompliment. Es ist wesentlich, dass der Goldmarkt frei ist. Er fungiert als so genannter “Kanarienvogel in der Kohlengrube” und seinem Preis sollte es gestattet werden, Exzesse in einem reinen Fiat-Währungssystem zu reflektieren. Die anhaltende Unterdrückung des Goldpreises war ein entscheidender Faktor für die vielen Blasen an den Finanzmärkten, die im Wesentlichen das Geldsystem, wie wir es kennen, zu Grunde richteten.

 

Was ist der Beweis gewesen, dass der Goldmarkt kein freier Markt ist?
John Embry: Unser Bericht, der vor 7 ½ Jahren geschrieben wurde, enthüllte allerlei Schikanen am Goldmarkt und wir haben nur die Hinweise verwendet, die erhärtet werden konnten. Erhebliche zusätzliche Hinweise haben sich seither aufgetürmt, aber zwei eindeutige Beweise sind das sich wiederholende unlogische Preis-Verhalten und Hinweise auf weitverbreitetes heimliches Verleihen von Gold westlicher Zentralbanken.

 

Wer sind diejenigen, die keinen freien Goldmarkt mögen, und welche Ziele verfolgen sie, indem sie  einen freien Goldmarkt verhindern?
John Embry: Die westlichen Regierungen, ihre Zentralbanken und die verbündeten Bullion-Banken sind die Schuldigen. Sie betrachten Gold als Todfeind des Fiat-Währungssystems. Gold war für Jahrhunderte echtes Geld und jedes Papiergeld-System in der Geschichte ist schließlich zusammengebrochen. Dies treibt sie an, Gold kontinuierlich schlechtzumachen und zu manipulieren.

 

Durch welche Instrumente wird der Goldpreis “gemanaged”?
John Embry: Die schlimmsten Schäden entstehen im so genannten Papier-Goldmarkt, wo Derivate, nackte Leerverkäufe, bösartig Margenerhöhungen etc. eingesetzt werden, um die Long-Seite zu schröpfen, die nicht über solch tiefe Taschen verfügt. Darüber hinaus haben die westlichen Zentralbanken das erforderliche physische Gold bereitgestellt, um den Plan durch ihre Verleihungen umzusetzen.

 

Vor kurzem wurde mir von einem ehemaligen Vorsitzenden der Federal Reserve, Paul A. Volcker, gesagt, dass nach seinem bestem Wissen “die USA mehr als 40 Jahre nicht im Goldmarkt eingegriffen haben.” (2) Denken Sie, Herr Volcker hat die Wahrheit auf seiner Seite?
John Embry: Herr Volcker räumte ein, dass die USA einen Fehler dadurch beginnen, dass sie an einem bestimmten Punkt vor rund 40 Jahren im Goldmarkt nicht intervenierten. Zu denken, dass es anschließend nicht passierte, ist also extrem naiv. Technisch könnte er in dem Sinne richtig liegen, dass Swaps eingesetzt worden sein könnten und dass die Intervention mit US-Gold von einer anderen Partei durchgeführt worden sein könnte. Der kürzlich in den Ruhestand gegangene Fed-Gouverneur Kevin Warsh bestätigte im letzten Jahr US-Gold-Swaps in einer Korrespondenz mit GATA. (3)

 

Fernerhin schien Herr Volcker zu suggerieren, dass die Zentralbanken ein gewisses Interesse am Goldpreis wegen seiner Wirkung auf die Devisenmärkte haben. (4) Welche Art von Beziehung ist zwischen Gold und den Devisenmärkten vorhanden, die viel größer als der Goldmarkt sind?
John Embry: Ganz einfach. Gold ist eine Währung. Es ist wohl die ultimative Währung und die Zentralbanker sind sich dieser Tatsache bewusst. Die Rolle von Gold als Währung tritt wieder in den Vordergrund und die Zentralbanker hassen diese Tatsache.

 

Sind Gold-Swap-Vereinbarungen zwischen Zentralbanken a) wichtig für das “Management” des Goldpreises, und b) stellen sie ein Mittel zur Intervention im Goldmarkt dar?
John Embry: Sie sind sicherlich wichtig, weil sie den Zentralbankern erlauben, technisch die Wahrheit zu sagen, denn es ist immer eine andere Zentralbank, die das getauschte Gold verwendet,  um im Markt einzugreifen. Es ist eine Ausflucht.

 

Glauben Sie, dass die westlichen Zentralbanken so viel Gold haben, wie sie behaupten?
John Embry: Ich vermute stark, dass sie wesentlich weniger haben als sie zu repräsentieren versuchen. Der IWF erlaubt in seinen Bilanzen einen Eintrag von einer Zeile, die physisches Gold mit Goldforderungen zusammentut. Das ist lächerlich, und dies wird getan, um Analysten zu täuschen. Zum Beispiel, wenn die Amerikaner die 8.161 Tonnen hätten, von denen sie sagen, dass sie sie haben, würden sie einer externen Prüfung gerne zustimmen und ihre Kritiker verstummen lassen. Allerdings mauern sie bei allen Anfragen.

 

Mit ihrem “unendlichen QE”-Programm: Würden Sie sagen, dass sich die Fed in gewisser Weise als Hardcore-Goldbug-Entität herausgestellt hat?
John Embry: Ich glaube, sie sind sich vollauf des Umfangs bewusst, zu dem sie ihr Geld an Wert mindern. Wir, die Öffentlichkeit, müssen die Hardcore-Goldbugs sein, um unseren Wohlstand gegen ihre Verwüstungen zu schützen.

 

Es scheint, als ob sich mehr und mehr Gold zu bestimmten Zentralbanken hinbewegte, anstatt von ihnen weg. Ist das eine solide Sicherheit, dass der Goldpreis hoch bleiben wird?
John Embry: Ich glaube schon. Die östlichen Zentralbanken (China, Russland usw.) haben eine Menge an Dollar angesammelt und realisieren, dass sie in Gefahr sind. Ergo kaufen sie Gold. Zur gleichen Zeit, denke ich, haben die westlichen Zentralbanken ihre Bestände auf ein Niveau herunter gebracht, über das sie nicht hinausgehen werden. Ich denke also, dass die kollektiven Goldkäufe von Zentralbanken eine heilbringende Wirkung auf den zukünftigen Preis haben werden.

 

Im Falle einer weiteren Kernschmelze der Märkte, die eher wahrscheinlich scheint, erwarten Sie ein Abstoßen von Gold?
John Embry: Es könnte ein kleineres Abstoßen geben, weil so viele Algorithmen den Markt beeinflussen. Es wäre nur von kurzer Dauer, weil das große Geld in der Welt jetzt weiß, dass sie Gold zum Schutz benötigen.

 

Gold ist seit zehn Jahren in einem Bullenmarkt. Also sagt eine wachsende Anzahl von Menschen, es sei in einer Blase. Warum würden Sie in Gershwins Worten sagen, dass “es nicht unbedingt so ist” (“it ain’t necessarily so“)?
John Embry: Der Preis des Goldes ist direkt verbunden mit der ständigen Entwertung der Währungen, in denen es angegeben wird. Die Schaffung neuen Papiergelds macht die Menge an Gold, das zur Verfügung steht, winzig. Gold ist die am weitesten von einer Blase entfernte Sache, die ich mir vorstellen kann.

 

Was denken Sie insbesondere über Warren Buffetts konstantes “Gold ist in einer Blase, ich bevorzuge Aktien”-Gerede? Dient er hier als ein einflussreicher Meinungsmacher in einer bestimmten Rolle, weil er viel öffentliche Aufmerksamkeit erhält? Mit anderen Worten: ist er ein Narr oder spielt er nur einen Narren? (5)
John Embry: Warren Buffet hat sich vor langer Zeit verkauft. Es ist schade, weil er einmal ein großer Aktien-Auswähler war. Jetzt besitzt er Versicherungen, Wells Fargo und war ein Käufer von Goldman Sachs und GE in der globalen Finanzkrise. Er ist Mitglied des amerikanischen Establishments und hat eine Menge zu verlieren. Er hätte auf seinen Vater Howard Buffett hören sollen, der ein US-Kongressabgeordneter und echter Advokat “harten Geldes” gewesen war.

 

Ihrer Ansicht nach wird Gold als monetärer Vermögenswert in den kommenden Jahren an Bedeutung hinzugewinnen, wahrscheinlich sogar eine offizielle Rolle im Welt-Finanzsystem wiedererlangen. Weshalb denken Sie das?
John Embry: Ich denke, dass das derzeitige Finanzsystem, wie wir es kennen, völlig zerstört werden wird, wahrscheinlich eher früher als später. Das nächste System wird eine Golddeckung erfordern, um Legitimität zu haben. Dies ist viele Male in der Geschichte geschehen.

 

Die Minenaktien sowohl bei Gold als auch dem Silber scheinen mir extrem unterbewertet zu sein. Stimmen Sie zu?
John Embry: Das sind sie in der Tat, und sie werden von den gleichen Entitäten stark manipuliert, die bei der Unterdrückung des Goldpreises aktiv sind. Darüber hinaus sind viele ruchlose Hedge-Fonds nunmehr auf der Short-Seite aktiv. Die US-Finanz-Szene ist insgesamt zu einer Jauchegrube geworden.

 

Gibt es wichtige Kursebenen im XAU und HUI, denen man Aufmerksamkeit als Ausgangspunkte einer Minenaktien-Rallye schenken sollte?
John Embry: Ich neige dazu, mehr Aufmerksamkeit auf den HUI zu verwenden, weil das ein reiner Gold-Index ist. Wenn der HUI die 555er-Ebene mit Begeisterung nimmt, glaube ich, wird das Rennen losgehen. Allerdings wird diese Ebene aggressiv von den bösen Buben verteidigt. Ein höherer Goldpreis (über $ 2000 pro Unze) wird dieses Problem beheben.

 

Warum sind Sie bei Sprott Asset MGMT so optimistisch in Bezug auf Silber?
John Embry: Wir denken, dass die Angebot-Nachfrage-Gleichung letztlich sogar besser als die beim Gold ist. Neue industrielle und medizinische Anwendungen explodieren, und weil Silber “das Gold des armen Mannes” ist, wird die Investitionsnachfrage nach Silber verrückt spielen, wenn Gold preislich die Kauffähigkeiten des durchschnittlichen Bürgers übersteigt. Aufgrund der geringen Größe des Marktes und des sehr begrenzten Inventars sollte der Preis ausrasten.

 

Für Ihren physischen Silber-ETF wollen Sie abermals physisches Silber im großen Maßstab erwerben. Denken Sie, Sie könnten Pioniere (für andere Fonds-Manager) bezüglich eines direktem Engagements bei Minen durch direkte Transaktionen und Termingeschäfte sein, statt zur Comex zu gehen? Sie wollen bestimmt nicht den Silberpreis mit dem eigenen Einkauf vor sich hertreiben, korrekt?
John Embry: Ich denke, das ist eine Möglichkeit, die sich anbietet, besonders dann, wenn die Angebots-Nachfrage-Gleichung in der Zukunft schrittweise immer enger wird.

 

Ist auch der Silbermarkt Gegenstand verstohlener Interventionen?
John Embry: Ohne Frage. In vielerlei Hinsicht könnte es noch schlimmer sein, weil es ein kleinerer Markt ist und die Aktivitäten von JP Morgan Chase waren ungeheuerlich. Die Tatsache, dass die CFTC dies seit Jahren untersucht, ohne zu einer Lösung zu kommen, ist einer der großen Witze aller Zeiten.

 

Was ist Ihre Information: In welchem Ausmaß sind die US-Silber-ETFs short und wie viele ihrer Aktien wurden zur Deckung von Short-Termingeschäften verwendet?
John Embry: Ich glaube, dass sie short sind, aber ich kann keine Auskunft über das Ausmaß geben. Wenn genau die gleichen Organisationen, die den Markt seit Jahren manipuliert haben, als Verwalter für die ETFs auftreten, wäre es klug, vorsichtig zu sein.

 

Ein höchst interessantes Thema für mich persönlich ist der Zeitpunkt, ab dem die Länder des Nahen Ostens ihr Öl und Erdgas nicht mehr für Papiergeld verkaufen werden. Wann denken Sie, dass sie dafür mit Edelmetallen bezahlt werden?
John Embry: Ich vermute, dass das ganze Phänomen sehr schnell erfolgen könnte. Wenn das Vertrauen in Papiergeld verloren geht, und ich denke, wir kommen diesem Moment schnell näher, würde sich sicherlich so etwas vollziehen.

 

Wie denken Sie über den Konflikt rund um den Iran von einer Perspektive des Petrodollar aus gesehen?
John Embry: Die ganze Iran-Frage ist sehr beunruhigend, und ich denke, dass die Motive der USA vielleicht mehr mit dem Petrodollar als mit den atomaren Ambitionen des Iran zu tun haben.

 

Eine letzte Frage. WENN das Finanzsystem untergeht, kann man massive Versorgungsengpässe und Unterbrechungen bei Waren und Dienstleistungen erwarten, vor allem im Energiesektor. Würden Sie unseren Lesern empfehlen, Vorkehrungen für ein solches Szenario zu treffen, anstatt auf das  beste Ergebnis der globalen Finanzkrise zu hoffen?
John Embry: Leider ja. Ich bin ein großer Anhänger der kognitiven Dissonanz. Die meisten Menschen wollen der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen, besonders wenn es sehr unangenehm ist. Diejenigen, die nicht an diesem Zustand leiden, sollten Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, weil die Welt-Situation derzeit sehr gefährlich ist.

 

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Herr Embry!

 

QUELLEN:

(1) John Embry / Andrew Hepburn: “Not Free, Not Fair: The Long-Term Manipulation of the Gold Price”, veröffentlicht von Sprott Asset Management im August 2004 unter:

http://www.sprott.com/Docs/SpecialReports/08_2004_NotFreeNotFair.pdf.

(2) Siehe Rob Kirby: “Manifest Destiny Derailed: Treason from Within“, veröffentlicht auf  Goldseek am 31. Januar 2012 unter:

http://news.goldseek.com/GoldSeek/1328037291.php.

(3) Vgl. http://www.gata.org/files/GATAFedResponse-09-17-2009.pdf.

Die relevante Passage von Herrn Warshs Brief an GATA besagte:

“In connection with your appeal, I have confirmed that the information withheld under Exemption 4″ — that’s Exemption 4 of the Freedom of Information Act — “consists of confidential commercial or financial information relating to the operations of the Federal Reserve Banks that was obtained within the meaning of Exemption 4. This includes information relating to swap arrangements with foreign banks on behalf of the Federal Reserve System and is not the type of information that is customarily disclosed to the public. This information was properly withheld from you.”

(4) Siehe Rob Kirby: “Manifest Destiny Derailed: Treason from Within“, Endnote 2.

(5) Vgl. beispielsweise in diesem Zusammenhang, was Marshall Auerback in einem Interview über die Silberpreisdrückung sagte:

“It’s in contrast to the gold suppression, which is a central-bank orchestrated scheme. You’ve got a situation now where it seems to be being done amongst the banking community, but I have no doubt that it has being done with official encouragement, explicit or implicit. To give you an example, 10 years ago Warren Buffet bought a silver position, and he liquidated it a few months later. The story I heard from one of his dealers was that he basically told them, “Boys, it’s not politically correct to speculate in silver.” Now who told him that I don’t actually know; I suspect it came from government sources. More interesting to me is that he had had a significant position, and it was liquidated with a great degree of ease with a loss at time when it wasn’t easy to do. This suggests that there was an external agency involved. I have no doubt that there is some degree of government involvement as well, but the primary agents are the investment banks, the commercial banks here.”

Siehe: http://resourceclips.com/2011/04/05/marshall-auerback-on-silver/.

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